“Du bist doch Fotograf – Brauchst du noch alte Kameras?”

“Du bist doch Fotograf – Brauchst du noch alte Kameras?”

“Du bist doch Fotograf – Brauchst du noch alte Kameras? Ich habe auch noch Objektive und Zubehör…”

Ja, ich bin studierter Fotograf und Grafiker. Und wenn ich jedes Mal ein paar Euro für diese Frage bekommen würde, könnte ich mich fast zur Ruhe setzen.
Was nicht heißen soll, dass ich mich nicht freue, wenn da wer an mich denkt, bevor er die alten Schätzchen entsorgt.

Wie ihr hier eventuell bereits gelesen habt, brachte mir letztes Jahr ein Freund einen kleinen Karton voller Objektive und Kameras.
https://renejohannson.de/kameras-und-studium/
Er sagte, dass ich sie sicherlich besser gebrauchen kann, als die Müllpresse.
Natürlich freute mich diese Geste sehr u‎nd tatsächlich habe ich die Kameras gereinigt, durchgeladen und jeweils einen günstigen Film vollgeknipst und ihn entwickeln lassen.
Ich kam leider noch immer nicht dazu, meine Dunkelkammer im Keller einzurichten…‎
Fazit zu den Kameras: Sie funktionieren einwandfrei.
Die fertigen Bilder und einen Artikel dazu werde ich dann bei anderer Gelegenheit hier einstellen.

Dann gibt es natürlich noch die “ungünstige Seite” solcher Kisten / Spenden / Käufe.
Und das ist nicht negativ gemeint, sondern stimmt eher melancholisch und nachdenklich: Kameras und Zubehör werden nicht jünger und alles entwickelt sich weiter, was ja auch richtig und gut ist.

johannson_rene_kropp_fotograf_grafiker_kiste_teile_kameras_objektive_erbstücke
Eine solche Kiste, wie die hier abgebildete, zeigt einen kleinen Teil der Dinge, welche sich bei mir über die Jahre ansammeln und nun ihren neuen Platz im Studio finden müssen. Zu diesen Dingen wird es mal einen ausführlichen Beitrag geben.‎
Vieles davon ist heutzutage leider nicht mehr zu gebrauchen. Da wären zum Beispiel die “Agentenkameras”, oder “Ritsch-ratsch-klick”, wie manche sie nannten. Sie lassen sich laden und auslösen. Aber Filme für diese kleinen Dinger? Schwierig bis unmöglich.
Oder die alte Vorrichtung, um Blitzpulver abbrennen zu lassen. Das original eingepackte Pulver aus den 1920ern (?) gibt es sogar dazu! Doch welchen (nutz)Wert hat dies noch in der heutigen Zeit, außer einem nostalgischen Blick, dem man ihm in der Vitrine zuwirft?
Ich finde es jedenfalls zu schade, es zu entsorgen. Was aber auch daran liegt, dass es mir geschenkt wurde, denn kaufen würde ich die Sachen nicht, da sie, wie eben erwähnt, schlichtweg nicht mehr zu nutzen sind.
Und ich frage mich oft, wer wohl die Personen waren, welche diese Utensilien nutzten.
Aber auch das ist ein Thema für einen anderen Eintrag.‎

Und zu guter Letzt gibt es noch die Art / Sorte von Leuten, die einem (defekte) Dinge zu überzogenen Preisen andrehen wollen:‎
Objektive mit klemmenden Blenden, oder Pilzbefall, rostige Kameras etc.zum doppelten Preis des Wertes eines funktionsfähigen Stückes, oder zerlegte Dinge, als “Ersatzteilspender”.‎
Klar würde ich mich auch gern diesen Dingen annehmen, aber nicht zu irgendeinem Preis, außer es ist eine goldene Kamera, welche nur einmal gebaut wurde.‎
Und was bei mir mal an “Ersatzteilspendern” und Teilen übrig ist, gebe ich selber für ‘nen Appel und ‘n Ei an Werkstätten weiter, welche alte Kameras reparieren.
Die können die Teile besser gebrauchen und so wurde auch meiner Zeiss Ikon Icarex 35CS BM ein zweites Leben eingehaucht, nachdem der Verschluss ausleierte.‎ Nach fast 50 Jahren darf der das auch mal.
Ich bin schlichtweg Fotograf und Grafiker und nur aus diesem Grund muss man nicht versuchen, mir Schrott anzudrehen.‎
Natürlich gibt es da auch schöne, funktionierende Kameras, welche mal dem Opa gehörten, oder viel erlebt und gesehen haben, dann aber mit Sätzen, wie:
Wenn du sie nicht nimmst, werfe ich sie weg. Aber der Preis ist nunmal so, weil sie einen ideellen Wert besitzt. War ja immerhin Opas’ und die soll ich gute Hände.”
angeboten werden.‎
Nun, dann wirft man sowas auch nicht weg, ist meine Meinung. Und sind denn die Hände des Verkäufers schlechter als meine? Schwierig, dies zu betantworten.
Ich kann mich ja auch nur am Marktwert orientieren und schauen, ob ich das gute Stück tatsächlich mal nutzen würde, oder ob Opas’ Erbe bei mir lediglich herumsteht.
Da entgegne ich dann regelmäßig, dass sie solche Teile, an denen so viele Erinnerungen hängen, doch lieber selber behalten mögen, um sich damit zu befassen, zu experimentieren und zu fotografieren, da sich der Opa da bestimmt drüber freuen würde, wenn seine Nachfahren Freude daran haben, anstatt die Sachen an einen Fremden zu verkaufen.‎
Und ja, ich denke wirklich, dass es ihn und die Familie freuen würde.

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In diesem Sinne: Überlegt euch gut, was ihr mit euren Erb- und sonstigen Stücken anstellt Freunde, bevor ihr sie veräußert, denn auch wenn jemand beruflich mit der Materie zu tun hat, kann dieser jemand nicht alles gebrauchen, gebrauchen, damit zu tun hat.
Also habt eine angenehme Woche!

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